Familienleben, Mama sein

Das habe ich mir anders vorgestellt – 1 Jahr Zweifach-Mama

5. August 2018

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Das habe ich mir anders vorgestellt, definitiv. Das Leben mit zwei Kindern. Nun dauert es nur noch wenige Tage und ich kann sagen, dass ich 12 Monate Zweifach-Mama bin. Ein Jahr Mama von zwei zauberhaften Buben. Von zwei Buben, welche ich nie wieder missen möchte. Welche mein bzw. unser Leben bereichern und uns so einiges lehren, obwohl sie um einiges jünger sind.

Ein turbulenter Start – Die ersten Wochen und Monate als Zweifach-Mama

Rückblickend verbeuge ich mich manchmal vor mir selber. Vor meiner Kraft und vor allem vor meinen Nerven. Waren die ersten Wochen noch wunderschön und voller Anfangszauber, wurde es nach ca. acht Wochen turbulent. Es begann die Zeit, in welcher irgendetwas unseren August zu plagen schien. Er meckerte Tag ein Tag aus. War unheimlich viel unzufrieden und unruhig. Nichts half, außer das Tragen, meistens zumindest. Wir machten uns viele Gedanken. Ich stellte beispielsweise meine Ernährung um und wir suchten Hilfe bei einem Osteopathen. (Mehr zu dieser Zeit könnt ihr in meinem Artikel 6 Monate zu Viert nachlesen)

Irgendwann wurde es besser. Was der „Knackpunkt“ war wissen wir bis heute nicht, ist auch ganz schnuppe, denn die Tatsache, dass die Stimmung, die Verfassung vom Kleinen endlich besser wurde tat uns allen so gut. Es war wie ein regelrechter Befreiungsschlag. Ich habe gespürt, wie meine Energie und meine Stimmung Tag für Tag zurück kamen. Denn ich bin ehrlich, diese Phase, sie hat mich fast verrückt gemacht. Ja, ich saß nicht selten heulend auf dem Sofa, habe alles hinterfragt und immer wieder „die Zweiten laufen einfach mit“ wie ein böses Echo in meinem Kopf gehört. Irgendwie war ich auch kraftlos, müde und unzufrieden. Unzufrieden mit der Situation. Ich hatte mir das alles anders vorgestellt!

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„Das habe ich mir anders vorgestellt“

Noch in der Schwangerschaft, da hatte ich diese „Geschwisterplüsch“-Vorstellung. Ein stolzer, großer Bruder und ein kleiner Baby Junge, welcher friedlich vor sich hinschlummert oder interessiert in die Welt blickt.
Schuld waren bestimmt die Hormone, denn natürlich war und ist mir auch bewusst, dass nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Schließlich habe ich auch zwei Geschwister. Und da, da ging es früher auch gerne mal ordentlich zur Sache. Nichts da mit „undless love“ und innigen Insta-Geschwister-Bildern. Im Gegenteil: Schupsen, Zanken, Verklopfen und Eifersucht, das gab es bei uns auch. Und überhaupt, so ein Baby, das ist natürlich nicht 24/7 happy. Sind wir ja alle nicht. Und müssen wir nicht. Wir alle dürfen und sollen zeigen, wenn uns etwas nicht passt. Wenn es zwickt und zwackt.

Das zweite Kind – Was für eine Umstellung für uns alle!

Ich bin jedoch nur ehrlich, wenn ich sage, dass ich schon dachte, dass das Leben mit zwei Kindern einfacher ist. Nicht solch eine große Umstellung, für alle Familienmitglieder. Das klingt so unheimlich negativ, ist es aber keinesfalls. Denn neben vielen Abstrichen, die ein jeder von uns machen muss, gibt es auch so viele Gewinne, für uns alle.

J.Boy hatte und hat beispielsweise sehr mit der „Entthronung“ (oh weh, ich mag das Wort eigentlich so gar nicht) zu kämpfen, genießt jedoch auch sehr die Rolle des Großen. Der Große, der schon Eis essen darf. Der Große, der mit Papa einen Männerausflug macht. Der Große, der schneller rennen, beim Essen ein „richtig scharfes Messer“ bekommt und beim Einkaufen die Euros über die Theke schmeißt.

Der Augustbub hingegen hatte niemals in seinem Leben so viel „exclusive Mama und Papa Zeit“, wie sein Bruder damals im ersten Lebensjahr. Und auch in den Genuss von Baby Kursen kam er nicht. Dafür hat und hatte er durch seinen Bruder so viel Input und Gaudi die letzten 12 Monate, davon kann ein erstgeborenes Kind nur träumen ;). Obendrein sind wir Eltern wesentlich gelassener, als noch beim ersten Kind. Wir trauen ihm mehr zu, bleiben (fast) entspannt sitzen, wenn er mal wieder den Hochstuhl erklimmt und drücken ein Auge zu, wenn J.Boy ihm eine Pommes in den Mund schiebt.

Es ist also schon etwas dran, an der Aussage: „ein Kind ist kein Kind„. Aber nur dann, wenn man eben mehr als ein Kind hat. Denn mit einem Kind, da fand ich es häufig auch nicht ohne. Ich erinnere mich, wie ich die Anfangszeit damals stressig fand und nur ein Jahr später dachte „ähm, Frauke, was fandest du da eigentlich stressig“. Ja, man wächst mit seinen Aufgaben und deswegen finde ich es absolut legitim, wenn Eltern von einem Kind sagen, dass sie es anstrengend, oder wie auch immer finden. Das darf auf keinen Fall belächelt werden, im Gegenteil. Mir ist es immer total unangenehm, wenn jemand sagt: „krass, du hast zwei Kindern, bis oft alleine… da darf ich mit meinem Kleinen und einem Papa, der fast jeden Abend daheim ist, nicht meckern„. Doch, das darfst du!

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Wo bleibt meine Zeit?

Wir als Eltern dieser zwei Racker wachsen täglich mit unseren Aufgaben. Und wir lernen. Wir lernen uns in Geduld, im Gelassen bleiben, ihm „richtigen“ Streiten, im Zurückstecken und in so Vielem mehr. Nie zuvor habe ich deutlicher mein eigenes Verhalten gespiegelt bekommen. Nie zuvor war ich so nahe am Rande des Wahnsinns und gleichzeitig an der Schwelle zum absoluten Glück.

Ja, es gibt hier Tage, da könnte ich durchdrehen. Würde am liebsten davon laufen, etwas für mich ganz A L L E I N E tun. Nichts hören und nichts sehen, einfach ich sein.
Tagsüber, oder nein, ich schreibe ehrlich: fast nie gibt es „me time“. Meist habe ich mindestens einen Buben um mich. Hin und wieder, immer öfters, schnappt sich meine Mama beide Jungs oder der Ehefreund macht am Wochenende eine „Männerrunde“.

Aber wisst ihr, das macht mir nichts, im Gegenteil. Ich möchte das Hier und Jetzt, die Gemeinsamkeit genießen. Wie ich schon vor einigen Monaten schrieb: „meine Zeit“ kommt später wieder. Nämlich dann, wenn ich mich wahrscheinlich nach meinen Jungs sehne, welche Flügel bekommen haben und nur noch alle paar Wochen den Kopf durch die Türe stecken. Aber auch diese Zeit wird ganz besonders sein, so wie aktuell. Besonders innig, besonders schön.

Hochs und Tiefs im Mama-Alltag

Meistens zumindest. Denn alle paar Monate bekomme ich dann schon auch mal eine kleine Talfahrt. Ich fühle mich unfassbar ko, ausgelaugt und bin genervt. Das mag nun abermals sehr negativ klingen und ist es in solche Momenten auch, aber eigentlich weiß ich, dass ich den Augenblick schätzen und genießen muss bzw. genießen will und kann. Und meist, da tue ich das eben auch. So richtig. Ich liebe es Zeit mit meinen Männer zu verbringen. Den (All-) Tag zu gestalten. Mit meiner Familie neues und bekanntes zu erLeben.

Leben. Unser Leben zu Viert. Das so unfassbar laut geworden ist. Man hört uns meist von weitem, wir verbreiten Chaos, wenn wir nur mit einem Fuß den Raum betreten und wir sorgen für Lacher. Für Glücksmomente. Für fröhliche oder auch mal mitleidige Blicke. Für Blicke a la „was ne nette Familie“ oder auch „mhh… das haben sie sich vielleicht anders vorgestellt“. Womit wir abermals beim Titel des Artikels sind:

„Das habe ich mir anders vorgestellt“

Ich habe es mir anders vorgestellt, das Leben mit zwei Kindern. Vielleicht ein bisschen ruhiger, aber niemals so bunt. Ich habe es mir weniger anstregend vorgestellt, aber keinesfalls so unbeschreiblich schön. Ich hätte nicht gedacht, dass ich in den ersten Monaten als Zweifach-Mama so sehr an meine Grenzen komme. So sehr an mir zweifele und so vieles in Frage stelle. Und obendrein so viel Fragen gestellt bekomme (Wieso, weshalb, warum – Mama bleibt nicht dumm;)). Mir wurde noch nie so sehr deutlich gemacht, wie ich mich verhalte, wie sich mein Verhalten auf Andere spiegelt. Bin ich motzig, sind meine Jungs es häufig auch. Mache ich „Stress“, werden sie „hibbelig“…

Hibbelig? Das werde ich vor allem dann, wenn die Frage kommt „Na, wann kommt Baby Nummer 3?

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Noch ein Kind?

Lustig, denn diese Frage bekomme ich immer häufiger gestellt, seit wir in großen Schritten auf den ersten Geburtstag vom Augustbub hinmarschiere. Legitim ist sie, die Frage, habe ich doch immer von drei bis vier Kindern gesprochen. Aber, ein DICKES Aber. Aktuell bin ich so absolut gar nicht bereits für ein drittes Wunder. Ich habe das Gefühl, dass wir Vier gerade so langsam aber sicher auf unseren neuen Plätzen ankommen. Und ich denke, dass es uns allen gut tut, wenn wir uns auf diesen erstmal ein wenig „ausruhen“, bevor wir uns VIELLEICHT in ein neues Abenteuer stürzen…

Und das ist es, das Familienleben. Ein Abenteuer. 

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9 Kommentare

  • Antworten Kira 5. August 2018 um 10:52

    Wahnsinnig toll geschrieben ! Ich habe selber keine Kids (außer 30 Stück bei der Arbeit ), aber liebe deine/ eure Instastories und lese gerne deine Artikel hier! Auch, wenn ich einen riesen Respekt davor habe Kinder zu kriegen, freue ich mich doch wahnsinnig darauf.

    Liebste Grüße
    Kira 🙂

    • Antworten ekulele 6. August 2018 um 20:03

      Liebe Kira, vielen Dank für das schöne Lob. Es freut mich sehr, dass du uns gerne „folgst“ 🙂 Herzliche Grüße, Frauke

  • Antworten Oli 5. August 2018 um 11:19

    Hallo liebe Frauke,
    habe mehrmals Gänsehaut gehabt beim Lesen, da ich mich in deinen Worten wiedergefunden habe. Ich bin seit dem 26.07.17 auch zweifach Mama und mir geht es auch oft genauso wie dir.
    Liebe Grüße
    Oli

    • Antworten ekulele 6. August 2018 um 20:03

      Liebe Oli, ganz lieben Dank für deinen Kommentar und eine Portion „Energie“ 🙂 Die kann man immer brauchen 😉

  • Antworten Edith 5. August 2018 um 19:55

    So ein schöner und ehrlicher Text! Ich unterschreib den genau so. Und mit drei Kindern ist es zumindest bei uns ähnlich: unbeschreiblich toll und gleichzeitig wahnsinnig heftig. Es gab nix was mich bisher so gefordert hat aber auch nix dass mich so glücklich macht. Pro drittes Kind (ich empfehle aber einen größeren Abstand als 19 Monate ). VG Edith

    • Antworten ekulele 6. August 2018 um 20:01

      Danke dir 🙂 Und: oh ja!!! Beim (vielleicht) nächsten Kind würden der Abstand auch größer werden 🙂

  • Antworten Katha 6. August 2018 um 14:58

    Liebe Frauke,
    der Artikel ist toll und gleichzeitig beschreibt (bestätigt?) er meine Ängste, die ich so vor der Zukunft habe. Der ‚Große‘ wird im November zwei, das Baby wird Anfang Februar erwartet. Der ‚Große‘ war/ist eigentlich super pflegeleicht und treibt mich trotzdem hin und wieder an den Rand des Wahnsinns. Was ist, wenn das Baby ein Schreikind wird. Oder Koliken hat oder ein schlechter Schläfer ist?
    Ich bin gespannt. Auf die hoffentlich vielen tollen Momente als expandierende Familie und wenn es schreckliche Tage gibt, tja, vlt. einfach an mir selbst und meinem Perfektionismus schrauben…
    Liebe Grüße, Katha

    • Antworten ekulele 6. August 2018 um 20:00

      Liebe Katha,

      oh nein, Angst wollte ich keine machen. Nur vielleicht auch mal aufzeigen, dass nicht immer alles Puderrosa ist 🙂 Du schaffst das bzw. ihr schafft das. Denn neben all der Veränderung ist es vor allem eines: eine Bereicherung <3
      Alles Liebe für die Schwangerschaft, Frauke

  • Antworten Thien 7. August 2018 um 12:40

    Liebe Frauke,
    danke für diesen ehrlichen Beitrag, der mich natürlich brennend interessiert hat, weil mir deine Situation bald bevor steht. Ich finde es schön, wenn Mütter ihren Kinderalltag ehrlich beschreiben und zeigen, dass nicht nur alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Ich fand das erste Jahr mit meiner Tochter so furchtbar anstrengend und habe mich deswegen oftmals schlecht gefühlt, habe mich gefragt: „Wieso hat mir vorher keiner die Wahrheit erzählt? Oder ist es nur bei mir so?“ Ich bin sehr gespannt, wie es bei uns mit dem zweiten Kind wird und habe sehr großen Respekt davor. Vor allem vor der Arbeit als Selbständige, da hattest du bestimmt auch deine Schwierigkeiten. Ich finde es aber schön zu sehen, dass du alles auf deine Art und Weise meisterst und das gibt Mut. Ich wünsche euch alles Gute!

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