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Sorgsamer Umgang mit dem erweiterten Handlungsspielraum einer Oma

18. Juni 2017
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Sorgsamer Umgang mit dem erweiterten Handlungsspielraum einer Oma
oder:
Wie gehe ich mit dem Oma-Bonus um, ohne die Erziehung der Eltern zu ruinieren?

Ja, als Oma hat man es eigentlich einfach: Man hat das Kind größtenteils wenn es ausgeschlafen und gut gelaunt ist. Die Tage mit Oma und Opa sind in der Regel etwas Besonderes, das Kind freut sich, die Oma hat Zeit. Und nachts ist es meistens wieder weg und man kann durchschlafen – falls einem die Altersschlaflosigkeit noch nicht befallen hat 😉 Möchte das Kind ein bestimmtes Gemüse nicht, bekommt es ein anderes, oder notfalls ein Lieblings-Käsebrot. Wird der Apfel abgelehnt, versucht man es mit Banane oder Birne und wenn es nicht anders geht wird vielleicht ein Fruchtriegel angeboten.

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Oma! Nein!
Oma, mehr!
Oma, hoch!
Oma, weg!
Oma, da!
Oma, Mütze auf!
Oma, Brille ab!

Vor kurzem habe ich zu meinem Mann gesagt: „er war wieder so ein süßes, liebes Kind… naja, ich mache meistens auch alles was er sagt„. Aber ganz so leicht, wie sich das jetzt anhört, mache ich es mir nicht. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie das früher bei mir und meiner Mutter war. Wenn es um das Thema Essen ging, hatte sie mich öfters zur Verzweiflung gebracht. Sie konnte einfach nicht akzeptieren und respektieren, dass wir da gewisse Regeln hatten. Das hat mich das ein oder andere Mal doch verletzt, gekränkt und vor allem sehr wütend gemacht. Ich habe versucht unsere Kinder gesund und ausgewogen zu ernähren und Süßigkeiten gab es dosiert, wenn sie danach verlangten. Die Kinder permanent zu fragen: „möchtest du Schokolade oder Gummibärchen oder…“ und sie ihnen damit quasi aufzunötigen, war ein permanentes Streitthema zwischen uns.

Gut in Bezug aufs Essen denke ich, hat Frauke keine Probleme mit mir. Wir haben so ziemlich die gleiche Einstellung zur Ernährung, und sie kann sich da sicher sein, dass ich keine Süßigkeiten oder sonstiges „Ungesundes“ in den Bub reinstopfe. Aber es gibt viele andere Situationen wo ich mich frage: ist das jetzt meine Position als Oma, oder ist das eine generelle Einstellung. Ist die, unabhängig davon, gut für das Kind oder eher nicht? Ist das im Sinne seiner Eltern und deren Erziehung oder ist das eher contra- produktiv?“

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Ein Beispiel:
Im Schwimmbad. Es gibt ein ganz flaches, rundes Becken (~10 cm tief) an dessen einer Seite ein Geländer ist, zur Abgrenzung zum nächsten Kinderbecken welches vielleicht 60-80 cm tief ist. Der Kleine klettert sehr gerne daran herum. Er hat auch kein Bestreben darüber zu klettern (was er auch noch nicht schaffen würde). Es geht ihm ums Spielen, durchschauen, Eimerchen drüber oder durch die Stäbe zu werfen. Ich habe ihn da einfach unbedarft spielen lassen. Bis zu dem Moment als ein Vater mich etwas vorwurfsvoll anschaut und fragt: „Darf er das?“ Ich: „Äh?!“ und zucke mit den Schultern. Der Vater hatte seinem Sohn die ganze Zeit verboten am Geländer herum zu klettern.
So, und nun? Muss ich das meinem Enkelkind nun auch verbieten, aus Solidarität, obwohl ich eigentlich keinen Sinn darin sehe? Oder hat er Recht und ich müsste das auch verbieten? Vielleicht könnte Jonte in ein oder zwei Jahren drüber klettern und ins tiefere Becken fallen? Und wenn schon, dann würde ich ihn halt wieder raus ziehen.
Also was mache ich?
Ich habe es ihm nicht verboten, aber als er das nächste Mal daran herumgeturnt ist, habe ich ihn einfach abgelenkt und wo anderes hingelockt. War das jetzt notwendig oder richtig? (Beim nächsten Schwimmbadbesuch habe ich ihn einfach wieder klettern lassen)

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Ich (als gelassene Oma) bin kein Freund allzu vieler Verbote und Maßregelungen. Ich weiß als dreifache Mutter nur zu gut, wie schnell man dazu neigt einfach irgendwelche Verbote halbherzig auszusprechen und sie dann nicht wirklich durchzuziehen. Damit macht man es sich nicht unbedingt leichter. Auf dem Spielplatz beobachte ich nur allzu oft, wie Mütter ihren Kindern irgendwelche Konsequenzen androhen, wenn sie nicht dies oder jenes machen und die Konsequenzen dann doch nicht einhalten. Es versteht sich natürlich von selbst, dass Dinge die gefährlich sind verboten werden müssen oder dass auf bestimmte Notwendigkeiten bestanden wird. Zum Beispiel muss das Kind im Fahrradanhänger angeschnallt werden, auch wenn es das gerade nicht möchte.

Gut, was heißt das das jetzt für mich als Oma? Handlungsspielraum einer Oma?!

Solange ich dem Kind keine Verbote auferlege, deren Einhaltung ich nicht fordere, solange mache ich meiner Meinung nach nichts „kaputt“. Natürlich heißt dass jetzt nicht, dass ich dem Kind etwas bewusst erlaube, was die Eltern verbieten. Aber ich denke, wenn ich in manchen Situationen unbewusst anders entscheide als die Eltern, kann das Kind sehr wohl unterscheiden, dass das jetzt die Entscheidung der Oma und nicht die der Mama ist. Größere Kinder dürfen auch durchaus die Erfahrung machen, dass Eltern und Großeltern nicht immer einer Meinung sind. Wir alle möchten ja nur das Beste für das Kind! In diesem Sinne hoffe ich, dass es mir zumindest öfters gelingt, sorgsam mit meinem erweiterten Handlungsspielraum umzugehen.

Es grüßt Euch die
stets bemühte
Oma Doris

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