Familienleben, Oma bloggt

Lebensabschnitte – Veränderungen und Entwicklungen

6. Mai 2017

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Im Leben gibt es immer wieder Veränderungen, Entwicklungen, Lebensabschnitte, an denen etwas Altes zurückgelassen wird und etwas Neues beginnt. In einem meiner letzten Beiträge hatte ich schon erwähnt, dass sich zum Beispiel die Beziehung von Frauke und mir durch unsere neuen Rollen (Oma und Mutter) positiv verändert, ja ich würde sagen weiterentwickelt hat.

Vor 30 Jahren war ich voll und ganz Mutter…

… und das auch sehr gerne und dieses Mutter sein, bestimmte auch meinen ganzen Tag. Morgens wenn die Kinder im Kindergarten oder der Schule waren, wurde eingekauft, geputzt, der Garten gemacht und Mittagessen gekocht. Nachmittags wurden Hausaufgaben gemacht, ging es auf den Spielplatz, Freunde besuchen, spazieren, ins Schwimmbad, an den Baggersee… Waren die Kinder im Bett, wurde noch gebastelt, Puppen genäht, sich im Kindergarten – später in der Waldorfschule – engagiert. Ich besuchte Seminare und Vorträge über die Kindesentwicklung, über Ernährung, aber auch über Biografie und die eigene Entwicklung, da die Frage: „reicht mir das Muttersein“ auch immer mal wieder auftauchte.
Die Urlaube und Reisen waren auf die Kinder zugeschnitten (wobei es durchaus auch mal ein Wochenende nur für uns Eltern gab).

Dann kam die nächste Phase: Mama von drei Teenies…

Die Kinder waren jetzt Teenies und selbstständiger. Sie hatten auch mal nachmittags Schule, besuchten die Freunde alleine oder verabredeten sich. Auf der einen Seite hatte man vielleicht mehr Luft, aber auf der Anderen bedeutete es auch, dass die Kinder zu unterschiedlichen Zeiten eintrudelten, man als Ansprechpartner viel mehr gefragt war um Frust oder Unmut über Lehrer, Mitschüler, Freunde usw. anzuhören. Ich kam mir doch das ein oder andere Mal wie ein Kummerkasten vor. Was das Sprichwort: „Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen“ bedeutet, hat mir so langsam gedämmert und es gab immer wieder Zeiten, wo ich mir viele Gedanken und Sorgen um meine Kinder gemacht habe.
Ich arbeitete ein paar Stunden um mal raus zu kommen, lernte etwas Italienisch an der VHS, es ging jetzt auch mal eine Woche ohne die Kinder in Urlaub. Und kaum hat man sich umgeschaut, schon sind die Kinder aus dem Haus.

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Der nächste Lebensabschnitt beginnt, die Kinder sind aus dem Haus…

Darüber habe ich ja schon in meinen ersten Blogbeitrag im November gesprochen. Man muss sich erst einmal daran gewöhnen, am Wochenende zu zweit am Frühstückstisch zu sitzen und nicht zu acht (die Partner der Kinder waren auch oft da). Da ist es auf einmal verdammt ruhig. Kein Kommen und Gehen Aber man gewöhnt sich schnell daran 😉 Auf keinen mehr Rücksicht nehmen müssen, die Essenszeiten nur noch den eigenen Bedürfnissen anpassen zu müssen (und natürlich denen des Partners). Und ich genoss die Nächte, denn obwohl die Kinder erwachsen waren habe ich doch immer unbewusst erst dann ruhig geschlafen, wenn alle zu Hause waren.
Die Reisen zu zweit gehen jetzt hinaus in die weite Welt. Nachdem alle drei Kinder ein Instrument gelernt hatten, machte ich endlich meinen Traum wahr und begann Klavier zu lernen.

Und die Frage kam natürlich auf: und nun?
  • Was mache ich mit meinem weiteren Leben?
  • Will ich beruflich noch mal durchstarten?

Aber eigentlich hatte ich da keine Ambitionen. Jetzt wo ich endlich Zeit für mich hatte, wollte ich auf keinen Fall voll arbeiten. Finanziell waren wir auch in der Lage, dass das nicht notwendig war. Auch meine Stunden auf Halbtagsarbeit zu erhöhen hätte finanziell nicht viel gebracht. So beschloss ich, dass ich auch gleich ehrenamtlich arbeiten könnte. Ich ging auf die fünfzig zu und das Thema Endlichkeit und Tod war für mich gerade ein zentrales Anliegen. Damit wollte ich mich mehr auseinandersetzten. Da in unserer Gesellschaft das Sterben lange ein Tabuthema  war, das Sterben fern von zu Hause stattgefunden hatte, ist es erfreulich, dass die Hospizbewegung in letzter Zeit versucht, das Sterben wieder mitten ins Leben zu bringen. Ich machte eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin und war überrascht, dass da nicht nur – zwar vorwiegend – ältere Menschen saßen, sondern in unserem Kurs sogar zwei ganz junge Menschen, Mitte 20, dabei waren. Die folgenden Jahre war also das Sterben mitten in meinem Leben. Ich machte verschiedene Begleitungen sterbender oder schwer kranker Menschen, besuchte Vorträge und Fortbildungen zu diesem Thema. Es hat mich sehr beschäftigt, durchaus auch Kräfte gekostet, aber es hat mir sehr viel Freude bereitet, mich bereichert, mich erfüllt, mich berührt…

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Und dann kam Jonte!

Und plötzlich hat sich wieder alles verändert. Ein neues Leben kam und verdrängte den Tod. Es war mir nicht so schlagartig bewusst, aber so nach und nach merkte ich, dass jetzt ein anderes Thema für mich anstand.

Das Neue Leben war jetzt der Mittelpunkt.

Wie sehr mein Mann und ich uns freuten, Großeltern zu werden, hatte ich schon an anderer Stelle erwähnt. Als sich dann das dritte Enkelkind angekündigt hat, wurde mir klar, dass ich mich jetzt voll und ganz auf diesen neuen Lebensabschnitt einlassen möchte. Diese positive Energie möchte ich jetzt bewusst wahrnehmen und voll genießen. Für meine Kinder und Enkelkinder da sein wenn sie mich brauchen.

Seit Anfang des Jahres habe ich mich aus der Hospizbegleitung zurückgezogen. Ich habe den Tod nicht verbannt, er gehört dazu wie das Geboren werden. Aber er ist jetzt nicht mehr im Vordergrund. Ich erfreue mich jeden Tag aufs Neue an Jonte und Pia, freue mich auf das nächste Enkelkind das im August kommen wird, auf den nächsten Urlaub mit Enkelkind und genieße mein Leben.

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Es grüßt Euch die glückliche Oma Doris

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7 Comments

  • Reply MamaEna 6. Mai 2017 at 21:11

    sehr schön geschrieben

  • Reply Jasmin 6. Mai 2017 at 23:52

    Hach 🙂 ihr seid echt ne coole Familie! <3 fand den Beitrag echt schön zu lesen und wünsche mir sowas auch für später 🙂

  • Reply Ninja 7. Mai 2017 at 2:26

    Wow !!! Gänsehaut ! Wundervoller Post !

  • Reply Melanie 7. Mai 2017 at 16:06

    Wunderschöner Post !! Die Beiträge zu „Oma bloggt“ gefallen mir alle sehr gut 🙂 Macht weiter so ihr beiden !

  • Reply Diana Breuer 8. Mai 2017 at 9:03

    Was für ein wundervoller Beitrag! Es hat mich sehr berührt! Vielen Dank dafür!!!

  • Reply Martje 9. Mai 2017 at 13:33

    Ein toller Beitrag. Und ja, so in etwa stelle ich mir das im Idealfall auch vor.

  • Reply Nat 14. Mai 2017 at 21:48

    Vielen Dank. Eine tolle Frau, ein ganz wundervoll geschriebener Beitrag.
    Vielen Dank

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