Der Ehefreund spricht, Familienleben

Der Ehefreund spricht – Das schlechte Gewissen schläft im Hotelbett…

7. Januar 2018

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Wie ist es denn nun eigentlich für den Ehefreund mit zwei Jungs zu Hause, in Kombination mit seinem Beruf?“ oder auch „Genießt er es nicht insgeheim sogar ein wenig, unter der Woche mal ein paar Tage im Hotel zu sein?“. Das sind zwei beispielhafte Fragen, welche der Ehefreundin in den vergangenen Wochen immer mal wieder gestellt wurden. Grund genug, dass Sie mich darum gebeten hat, ein wenig darauf einzugehen. In diesem Sinne:

Der Ehefreund spricht!

Also, wie ist es so mit zwei kleinen Kindern? Anders, völlig anders. Anstrengend, aber auch einfach toll! Ich muss einleitend zugeben, dass ich es definitiv unterschätzt habe. Waren wir mit unserem Großen doch gerade bis kurz vor der Geburt des Zweiten so richtig gut eingespielt. Teilgeregelter Tagesablauf, entspanntes „Ins-Bett-bringen“, Durchschlafen im eigenen Bett, wenige Selbstfindungskrisen. Da kann so ein neugeborenes Würmchen, was anfangs sowieso nur schläft, isst und stoffwechselt doch wenig Chaos reinbringen…

Falsch gedacht Papa. Vor allem, da unser kleiner Augustbub eher so der Power-Napper ist, der tagsüber nichts verpassen möchte. Einer der sich tierisch ärgern kann, wenn sein Körper noch nicht so will wie sein Kopf, auf Schnuller keine Böcke hat und am liebsten bzw. fast ausschließlich in der Trage schläft. Kombiniere ich das mit einem zweieinhalbjährigen Rowdy, der gerade mit aller größter Freude seine Grenzen austestet, möglichst wenig Aufmerksamkeit einbüßen will, Mittagsschlaf öde findet, dafür aber am Abend besonders schön knatschig sein kann und gefühlt manchmal schon in der Pubertät ist, so fällt mir folgende Aussage nicht wirklich schwer:
Nein, ich genieße es nicht insgeheim unter der Woche ein paar Nächte im Hotel zu sein.

Ich genieße es ganz offen!

Natürlich mit einer gehörigen Portion schlechtem Gewissen und auch extrem viel Vermissung, aber dennoch genieße ich es. Alles andere wäre gelogen. Gerade jetzt, nach zweieinhalb Wochen Heimaturlaub und Familienzeit pur, freue ich mich irgendwie schon wieder auf zwei Nächte im Hotelzimmer. Nach dem Feierabend mal nicht das Kinderchaos in der Wohnung beseitigen. Durchschlafen. Nachts keine Kinderfüße ins Gesicht oder den Unterleib zu bekommen. Ein Bett für mich alleine.
Und auch tagsüber meinem Beruf nachzugehen, mir meine Pausen zu nehmen, wann ich es möchte bzw. es gerade in den Tagesablauf passt, keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kids nehmen zu müssen/wollen, mal wieder etwas eigenständiger und unabhängiger zu sein.

Klingt nach einem total relaxten Arbeitsalltag. Das ist es jetzt nun auch wieder nicht. Die Arbeitszeiten sind in der Regel recht lange und intensiv, der Stressfaktor hoch und die ganze Reiserei zehrt auch an einem. Ich habe wahrscheinlich unterm Strich nicht mehr oder weniger „Zeit für mich“ als zu Hause. Aber dennoch kann ich mir einfach aktiver Freiräume schaffen und mich auch mal ein paar Minuten zurückziehen. Das geht mit zwei Kids doch eher schwieriger. Da bedeutet es schon eine Menge, wenn die Klotüre mal verschlossen bleiben darf ;).

Ein schlechtes Gewissen?!

Die letzten zweieinhalb Wochen haben mir außerdem wieder vor Augen geführt, was Frauke unter der Woche alles alleine stemmen muss, deshalb auch das weiter oben erwähnte „schlechte Gewissen“.

Doppel-X-Chromosom und Haushalts „Problematik“

Die Jungs haben es in den vergangenen Tagen nicht nur einmal geschafft mir meine Grenzen aufzuzeigen – und das wo ich bis dato nie länger als drei Stunden mit beiden alleine war, geschweige denn nachts raus musste (Doppel-X-Chromosom-„Problematik“). Kommt neben der reinen Kinderbespaßung dann auch noch der Haushalt dazu, muss ich spätestens jetzt mit einem lauten „Chapeau“ den imaginären Hut vor meiner liebsten Gattin ziehen. Wohl auch, weil sich unsere Haushalts-Management-Effizienz minimal voneinander unterscheidet und ich mir (wohl berechtigterweise) häufig die Frage gefallen lassen muss, ob ich jetzt gerade tatsächlich das 3. Kind spielen oder sie nicht doch lieber etwas aktiver unterstützen möchte. Ja, ich bin hier und da doch etwas träge und ein „Hans-guck-in-die-Luft“ bei Dingen, die erledigt werden könnten (Betonung auf „könnten“!). Da wird dann einfach mal der dringend mit Gallseife zu reinigende Body im Bad gesehen, aber nicht wahrgenommen – kleiner aber feiner Unterschied kann ich euch sagen. Auch werden die „freien“ Minuten am Tag, wenn ein Kind doch mal kurz die Augen zu hat und das andere sich selbst beschäftigt, lieber vertrödelt als aktiv genutzt.

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Nichts ist fantastischer, als Zeit mit den Jungs zu verbringen!

Um das Ganze nun aber doch noch ein wenig abzurunden und nicht den völlig falschen Eindruck zu hinterlassen, muss ich ausdrücklich betonen, dass es mit den Kids einfach genial ist. Trotz der ursprünglich falschen Erwartungshaltung meinerseits und den äußerst anspruchsvollen Vollzeit-Papa-Tagen (mit Mama-Unterstützung), gibt es für mich nichts Fantastischeres als Zeit mit den Jungs zu verbringen. Das beginnt morgens wenn der Große von rechts an einen hinplappert und will, dass wir gemeinsam Kaffee für die Mama machen, während links der Kleine den Kopf nach oben reckt und einen anstrahlt. Und das endet abends, wenn ich den mühsam von Frauke entwickelten Zu-Bett-Geh-Rhythmus innerhalb weniger Tage zerstöre und Händchen haltend am Bett des Großen sitze, das Licht mal an und dann wieder ausmache, doch noch eine Geschichte vorlese, den Schnuller tausche, die Kuscheltiere nochmals neu im Bett anordne usw., während Frauke den Kleinen in den Schlaft stillt.

Gegen nichts in der Welt möchte ich das eintauschen! Und genau das werde ich die nächsten Tage dann auch wieder unsagbar vermissen, wenn ich gemütlich und alleine im King-Size-Hotelbett liege, meine letzten Emails schreibe und vielleicht sogar noch ein paar Minuten für eine Serie oder einen Film finde. Wohl wissend, dass Frauke wahrscheinlich gerade endlich einen der Jungs in den Schlaf bekommen hat, der andere aber parallel sein Bestes gibt um den Bruder wieder aufzuwecken…

Der Ehefreund.

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1 Comment

  • Reply Anne Würth 7. Januar 2018 at 20:27

    Danke für so viel Ehrlichkeit 🙂
    Lieben Gruss an Euch 4,
    Anne*

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